Hallo,
Ich schreibe hier, da ich nicht mehr weiter weiß. Mein bester Freund hat sich krank geschrieben und ist seit Wochen nur noch in der Wohnung. meine beste Freundin weiß auch bescheid (wir sind alle drei miteinander befreundet). Er hatte Paranoia entwickelt, hat mir geschrieben dass er denkt die Nachbarn hassen ihn und wollen ihn aus der Wohnung ekeln und die Kollegen auf Arbeit wohl auch. gestern hat meine beste Freundin mich dann angerufen weil er ihr geschrieben hat dass er nicht mehr leben will und sie sich sorgen gemacht hat. ich habe dann den Krisendienst angerufen und die frau dort meinte wir könnten zu ihm fahren und ihn bitten dass wir uns gemeinsam an den Krisendienst wenden. das haben wir auch getan.
Seine Wohnung war total stickig, alle Rollläden komplett unten und es war stockduster, er hat total abgenommen und sah überhaupt nicht gut aus. Er hat sehr wirr geredet. Als sei sein Kopf voller Gedanken und er hat Gedankensprünge gemacht die wir nicht nachvollziehen konnten und alle 2 Minuten vergessen worum es ging. Zbs erst über seine Gefühle gesprochen und dann plötzlich erzählt, dass er überlegt in Zukunft nur noch Teilzeit zu arbeiten..
Er hat dann zugestimmt dass wir gemeinsam zum Krisendienst gehen, weil der nicht weit entfernt von ihm ist, haben sogar schon die nötigsten Sachen für die Klinik zusammen gepackt und beim Krisendienst hat er auch mit der Frau dort über seine Suizidgedanken gesprochen. Er hat mehrere exakte Ideen genannt, die ich hier jetzt nicht wiedergeben werde, man hat gemerkt dass er alles detailreich durchdacht hat und er meinte dass er einfach nur einschlafen und nie wieder aufwachen will. Er wirkte die ganze Zeit total durcheinander aber als er darüber gesprochen hat klang er plötzlich erleichterter, fast schon humorvoll. Das hat mir Angst gemacht. Er isst nicht mehr richtig (teilweise Tage gar nichts), Körperhygiene kriegt er auch nicht mehr hin.
Die Frau vom Krisendienst hat ihn zur Notaufnahme gebracht (mit vorher anrufen und ankündigen wo sie den Leuten dort schon gesagt hat dass er Suizidgedanken hat). Wir wollten eigentlich mitfahren weil wir angst hatten dass der Arzt ihn dort nicht ernst nimmt. Die Frau vom Krisendienst hat nur gesagt dass man einem Arzt ja vertrauen kann und der wird das schon richtig einschätzen. Da es schon gegen 0 Uhr war haben wir dann gesagt dass wir nachhause fahren und die Verantwortung abgeben.
Ca halb 2 hat unser Freund dann geschrieben dass er jetzt wieder auf dem Weg Nachhause ist und die ihn bei der Notaufnahme wieder entlassen haben. Der Arzt hatte ihn wohl vor die Wahl gestellt auf Station zu gehen wo "unbequeme Leute" wären oder eben am Montag 9:30 zur offenen Sprechstunde zu kommen. Er hat sich dann gegen den stationären Aufenthalt entschieden.. er hatte gestern früh eigentlich einen Termin beim Therapeuten, den hat er nicht wahr genommen. Er meinte er hat sich angezogen und konnte dann als er los gehen wollte nicht raus gehen. Er konnte sich nicht mehr bewegen, wie eine Blockade, ich bezweifle dass er es dann schafft Montag dort hin zu gehen..
Ich hab ihm noch geschrieben und gefragt wie es denn weiter geht und meinte dass ich fassungslos bin.. er hat um ca 3:13 Uhr geantwortet "Meiner Mutti weiter Geld geben für Medikamente und Lebensmittel bis sie es nicht mehr benötigt" und "ich schwindle nicht" ich verstehe den Kontext nicht mehr.. Ich weiß nicht warum er denkt dass ich denke dass er gelogen hat.
Ich weiß ehrlich gesagt nicht weiter.. ich hab die Nachrichten erst heute Morgen ca 10 Uhr gesehen und habe geantwortet aber die Nachrichten kommen nicht an. Es ist schon nach 18 Uhr und ich weiß nicht was ich tun soll.
Nachts um 3 war das letzte Lebenszeichen. Ich fühle mich total von den Leuten die eigentlich helfen sollten in Stich gelassen. Meine Freundin und ich sind beide selber komplett am Limit. Wir sind seit Wochen in Sorge und gestern sind wir massiv über unsere Grenzen gegangen.. ich habe langsam keine kraft mehr. Ich habe auch eben noch einmal beim Krisendienst angerufen und die Frau dort (eine andere als gestern) meinte dass ich schon alles und mehr getan hätte was ich tun konnte und ich muss mich von dem Gedanken lösen dass ich ihm helfen kann. Und dass man ihn nicht aufhalten kann wenn er wirklich nicht mehr leben will.
Ich fühle mich schrecklich und ich hab Angst.