Ich befinde mich aktuell in einer Probezeit bei einem relativ kleinen Regelversorger mit ca. 130 Betten auf dem Land. Ich bin auf den Job mehr oder weniger angewiesen, aber es schleicht sich bei mir immer mehr das Gefühl ein, dass es nicht passt und es hat eventuell einen seltsamen Grund: Es ist mir viel zu durchstrukturiert.
Es gibt zig Abläufe, von denen man ja nicht abweichen darf, weil sie sind ja der "Standard" und wehe es ist mal etwas leicht anders, dann landet es als Thema direkt auf der monatlichen Dienstbesprechung oder es wird direkt von der Stationsleitung eingefangen, weil "das ist hier aber nicht der Standard".
Ich werde z.B. im Spätdienst schon komisch angesehen, wenn ich um 15-16 Uhr mit dem PC und dem Spotmonitor durch meinen Bereich um VZ zu messen, die Patienten zu sehen, mich vorstellen und Schmerz, Ausscheidung usw. zu dokumentieren. Es wäre denen lieber, wenn ich das alles samt Körperpflege zur Nacht ab 18:45 Uhr mache. Das ist mir persönlich aber viel zu stressig alles auf einmal zu machen und dann noch mit der Doku und Maßnahmen abhaken um 20:30 Uhr fertig zu sein, sodass ich es eben auf zwei Durchgänge verteilt habe.
Zuletzt hatte ich mich erdreistet auch schon meine Mono-Embolex im ersten Durchgang zu verteilen, weil es bei meinem vorherigen Arbeitgebern Gang und Gäbe war, dass der eine Kollege im ersten Durchgang, der andere gerne mal im zweiten. Von der prophylaktischen Wirkung her macht es mWn keinen Unterschied, auch bei einem Wechsel von einem Früh- zu einem Spätspritzer am folgenden Tag. Aber das wurde dann gestern auch eingefangen mit dem Hinweis auf den "Standard" und komischen Argumenten, falls ich mal krank früher nach Hause müsste (ich dokumentiere jede Gabe mit genauer Zeit).
Es erdrückt mich und beraubt mir meinen Stärken und dem Spaß an der Arbeit. Gelernt und lange gearbeitet habe ich bei einem privaten Maximalversorger, bei dem es zwar eine Ablaufstruktur gab, aber die Pflegekraft dann auch wirklich ihren Bereich mit dem Leben gefühlt hat und eben gewisse Freiheiten hatte, wie sie etwas umsetzen möchte, was angeordnet wurde oder was sie pflegerisch für notwendig hielt. Man war durch stärkeren Personalmangel auch einfach "gebrauchter".
Und grundsätzlich passt es vom Team auch bei meinem jetzigen Arbeitgeber. Wie gesagt, mich stört diese Kontrolle des "Ablaufs" und des "Standards" untereinander, da werde ich mich wohl nicht mit anfreunden können, schon gar nicht seit gestern, aber eigentlich ist alles ganz nett, es gibt mehr Personal als ich es kenne und brauche die Arbeit und das Geld.
Und nun stellt sich mir die Frage: Bin ich das Problem? Mir scheint es etwas so, dass ich mich nicht anpassen kann. Oder ist meine Problematik vielleicht auch nachvollziehbar? Kennt das jemand? Was kann ich tun?
Vielen Dank fürs Lesen und vielleicht auch antworten.