Hallo zusammen ✨,
erst einmal danke, dass ihr euch die Zeit nehmt, meinen langen Text zu lesen. Ich stehe gerade vor einer wichtigen Entscheidung und würde mich über ehrliche Meinungen oder Erfahrungen freuen.
Kurz zu mir: Ich komme ursprünglich aus Syrien und bin vor einigen Jahren (2017) hierhergekommen. Hier habe ich Deutsch gelernt und die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten, mein Abitur mit der Note 2,7 gemacht und mich anschließend für ein Informatikstudium an einer TU entschieden. Neben dem Studium habe ich in einem Minijob gearbeitet und mich zusätzlich immer wieder ehrenamtlich engagiert. Deshalb fällt es mir schwer zu glauben, dass meine Probleme einfach auf fehlende Motivation oder mangelnden Einsatz zurückzuführen sind.
Leider verlief mein Studium überhaupt nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich war insgesamt fünf Semester eingeschrieben und habe – abgesehen von einigen Grundlagenfächern und BWL – kaum Prüfungen bestanden.
Natürlich gab es zwischendurch auch besondere Umstände. Wegen gesundheitlicher Probleme musste ich teilweise sogar während der Prüfungsphase ins Krankenhaus. Außerdem gab es in einigen Modulen einen Professorenwechsel. Trotzdem würde ich diese Dinge nicht als Hauptgrund für mein Scheitern bezeichnen.
Ich habe wirklich versucht, konsequent zu lernen. Es war nicht so, dass ich meine Zeit verschwendet hätte. Ich wusste grundsätzlich, wie man sich sinnvoll auf Prüfungen vorbereitet: Vorlesungsunterlagen durcharbeiten, Altklausuren bearbeiten, Schwerpunkte erkennen und die wichtigsten Themen gezielt wiederholen.
Mein eigentliches Problem war etwas anderes. Sobald ich mich zum Lernen hingesetzt habe, konnte ich vielleicht zwei oder drei Stunden konzentriert arbeiten. Danach entstand ein enormer innerer Druck. Ich konnte mich kaum noch konzentrieren und war praktisch nicht mehr produktiv. Dann musste ich etwas anderes machen, um den Kopf freizubekommen. Wenn ich später wieder anfangen wollte, kam dieses Gefühl oft schon nach wenigen Minuten zurück.
Ich habe vieles ausprobiert: die Pomodoro-Technik, verschiedene Lernmethoden, mehr Bewegung, eine Ernährungsumstellung, Vitamin D und andere Ansätze. Langfristig hat jedoch nichts wirklich geholfen. Irgendwann war es sogar so, dass allein der Gedanke ans Lernen dieses bedrückende Gefühl ausgelöst hat. Dabei habe ich Lernen früher eigentlich immer gerne gemocht.
An meinen schulischen Voraussetzungen sollte es eigentlich nicht gelegen haben. Ich habe mein Abitur in Deutschland gemacht, spreche Deutsch und Englisch fließend und war besonders in Mathematik in der Schule meist im guten Bereich.
Trotzdem habe ich heute große Angst, dieselbe Erfahrung an einer anderen Hochschule noch einmal zu machen. Mir ist bewusst, dass eine TU oft deutlich anspruchsvoller ist als eine Hochschule. Aber ich weiß nicht, ob der Unterschied wirklich so groß ist, dass ich dort plötzlich besser zurechtkommen würde. Gerade weil Mathematik an der TU für mich schwierig war, habe ich Sorge, wieder in dieselbe Situation zu geraten.
Deshalb habe ich mich sowohl für duale Studiengänge als auch bei verschiedenen Unternehmen beworben. Mir ist dabei aufgefallen, dass mir praktische Tätigkeiten deutlich besser liegen und ich dabei wesentlich weniger Druck empfinde.
Ich habe in der letzten Monaten viele Bewerbungen abgegeben überwiegend für duales Studiengänge.
Für ein duales Studium hatte ich zwei Vorstellungsgespräche, wurde aber leider nicht genommen. Parallel liefen meine Bewerbungen für Ausbildungen weiter, und schließlich erhielt ich von der Deutschen Bahn eine Zusage. Nach dem Vorstellungsgespräch und einem Schnuppertag liegt mir inzwischen ein Ausbildungsvertrag vor.
Ehrlich gesagt tendiere ich momentan eher dazu, dieses Angebot anzunehmen. Mir wurde außerdem gesagt, dass ich nach erfolgreichem Abschluss gute Möglichkeiten hätte, anschließend noch ein duales Studium zu absolvieren und dabei vom Unternehmen unterstützt zu werden.
Trotzdem bin ich unsicher.
Soll ich die nächsten drei Jahre in die Ausbildung investieren und dafür wahrscheinlich einen sicheren Abschluss, Berufserfahrung und gute Perspektiven gewinnen – mit der Möglichkeit, später immer noch zu studieren?
Oder sollte ich jetzt noch einmal den direkten Weg über eine Hochschule versuchen, obwohl ich Angst habe, wieder dieselben Probleme zu bekommen und am Ende noch mehr Zeit zu verlieren?
Kurz vor Ablauf der Bewerbungsfristen habe ich mich vorsorglich noch an einigen Hochschulen beworben. Zusagen habe ich bisher noch keine erhalten. Warum so getan weiß ich nicht...
Ich bin inzwischen 25 Jahre alt und wünsche mir einfach, endlich einen Weg einzuschlagen, den ich erfolgreich abschließen kann.
Wie würdet ihr in meiner Situation entscheiden? Würdet ihr das Angebot der Deutschen Bahn annehmen oder dem Studium noch eine Chance geben?
Ich freue mich über jede ehrliche Meinung oder Erfahrung – auch über kritische Einschätzungen.
🤗🌹