r/Weibsvolk • u/slimshadycatlady • 50m ago
Sonstiges Bin ich arschig/zu egozentrisch?(CW Gewalt)
Hi, ich brauche gerade mal sowas wie ne temporäre beste Freundin, weil ich mir sowas wie einen liebevollen Reality Check wünsche, und würde mich freuen wenn ich das hier bekommen könnte.
Ich hab mich gerade mit meiner Mutter gestritten und irgendwie tun die Dinge die sie gesagt hat gerade furchtbar weh und gleichzeitig frage ich mich ob ich zu egozentrisch bin und fühle mich wie ein Arschloch und hätte dazu gerne mal eine Rückmeldung.
Es hat eigentlich damit angefangen das meine Mutter vor einiger Zeit zu mir meinte das sie es sehr egoistisch von mir fand und das sie sehr enttäuscht von mir war, weil ich ihr vor ca. 5 Jahren nicht beim Umzug geholfen haben und nicht zu Wohnungsbesichtigungen gekommen bin.
Ich hab das damals so stehn gelassen und mich glaube auch entschuldigt, aber vor ein paar Tagen kam das wieder hoch, weil meine Mutter in einem anderen Kontext meinte ich sei nicht sehr hilfsbereit. Das hat mich dann irgendwie noch beschäftigt und gerade die Sache mit dem Umzug macht mich wütend und ich hab ihr heute gesagt das ich das sehr unfair von ihr finde mir das vorzuwerfen.
Der Grund warum ich das unfair finde ist, das ich eigentlich seit ich ca. 12 bin keine gute Beziehung zu meiner Mutter und meinen Eltern insgesamt hatte. Meine Eltern sind beide Alkoholiker (nicht gewaltätig, nur extrem viel am streiten gewesen, mal sind Dinge kaputt gegangen, meistens haben beide für sich getrunken), meine Mutter und ich haben uns spätestens seit dem ich 14 bin eigentlich nur angeschrien und ich hab probiert sie zu meiden. Ich bin schon als Kind dazu eingeschlafen das die beiden sich anschreien, hab mir gewünscht endlich erwachsen zu sein damit ich ausziehen kann und bin als ich kleiner war dazwischen gegangen und hab ihnen gesagt das sie sich bitte scheiden lassen sollen. Also solche Sachen halt.
Ich bin da halt spätestens ab meiner Teenager Zeit ziemlich hinten runter gefallen und auch drogenabhängig geworden und hab mich dann an meinen missbräuchlichen Ex geklammert. Zusätzlich ist meine Mutter besonders damals sehr übergriffig gewesen. Es gab vereinzelt Situationen wo sich mich geschlagen hat, aber vor allem hat sie nicht akzeptiert das ich keinen Körperkontakt zu ihr möchte (Umarmungen, Hand auf Schulter oder Bein legen etc.) und mir das immer wieder aufgedrängt. Also soviel zu unserer Beziehung damals.
Meine Eltern haben sich dann als ich ca. 19 war endlich getrennt und wir sind alle in eigene Wohnungen gezogen. Und ehrlich gesagt finde ich nicht das man mir vorwerfen kann das ich da nicht die krass supportiv Tochter war die auch noch beim Umzug hilft. Und das hab ich meiner Mutter halt heute alles gesagt (nur die Sachen was zwischen uns schief gelaufen ist hab ich jetzt nicht nochmal alle im Detail hochgeholt, weil das weiß sie ja theoretisch selber).
Ihre Reaktion darauf war sowas wie "ja was erwartest du denn jetzt von mir? Ich weiß nicht was ich dazu sagen soll". Woraufhin ich halt meinte "ja ne Entschuldigung dafür das du mir vorgeworfen hast das ich egoistisch bin, weil ich damals nicht beim Umzug geholfen habe wäre schonmal gut, weil ich das angesichts der Umstände sehr unfair finde". Sie hat sich dann halt auch entschuldigt, aber naja, ne Entschuldigung um die man erst bitten muss ist jetzt halt auch nicht das ware.
Sie meinte halt noch das es ihr damals auch scheiße ging und sie dringend Unterstützung gebraucht hätte (ja ihr ging's wirklich scheiße und die Beziehung zu meinem Vater war auch für sie obvious schlimm & das tut mir auch leid), aber ich sehe mich da halt rückblickend trotzdem nicht als die Person die da irgendwie in der Pflicht stand aufgrund unserer damaligen Beziehung und weil sie ihre Fehler damals halt immer abgestritten hat und null bereit war zur Reflexion. Gleichzeitig frage ich mich ob dieses krasse Abgrenzen von mir arschig ist.
Die Diskussion ging dann halt irgendwie noch weiter und irgendwann kam dann auch zu Sprache das sie mich geschlagen hat. Sie erinnert sich natürlich nicht dran, meinte dann aber dass dass natürlich nicht okay ist, "wir aber scheinbar sehr sauer aufeinander gewesen wären". Für mich hört sich das nach ner harten Rechtfertigung an und ich hab so die Schnauze voll davon. Ich bin halt damals literally vor ihr weggelaufen und sie hat mich auf den Rücken geschlagen.
Irgendwann im Laufe des Gesprächs kam dann die Frage ob denn alles schlecht war. Und ich hab wirklich probiert Dinge zu finden die gut waren. Mir sind dann ein paar Sachen eingefallen die gut waren, wie z.B. die Schwimmkurse zu denen sie mit mir als Kind gegangen ist, Nachtwanderungen, kp. Ferienzeltlager. Also es ist nicht so das meine Eltern komplett verkackt hätten. Aber für mich wiegen diese Sachen das schlechte halt ehrlich gesagt nicht auf und ich muss auch ehrlich gesagt bewusst nachdenken um da Sachen nennen zu können, wohingegen die schlechten Sachen halt ziemlich schnell "da" sind.
Kp ich Frage mich irgendwie ob es unfair von mir ist das die schlechten Sachen für mich im Vordergrund stehen. Halte ich da vielleicht zu sehr die Taschenlampe drauf? Es ist nicht das erste Mal das meine Mutter in solchen Situationen sowas fragt und irgendwie tut es mir auch leid dann ehrlich zu sein, aber gleichzeitig hab ich dann immer das Gefühl sie will meine Erfahrungen relativieren. Und im Nachhinein fühle ich mich oft arschig und hab so Gedanken wie "vielleicht reite ich zu sehr auf dem schlechten rum".
Eine weitere Sache die sie halt heute zu mir meinte ist, das ich ja auch kein einfaches Kind war, weil man mich immer für die Schule wecken musste etc.. Das stimmt, ich bin definitiv extrem ungern zur Schule gegangen. Aber gleichzeitig denke ich mir, ja was erwartest du denn von einem Kind das so aufwächst? Das es mega easy ist? Und irgendwie war auch einiges von meinem Verhalten mMn nicht krass untypisch für einen Teenager. In der Regel und auch heute in der Situation empfinde ich solche Kommentare irgendwie als null verhältnismäßig und kp find es irgendwie wild das sie mir das vorwirft und sehe da auch keine Verantwortung bei mir, weil wie gesagt, die Umstände und eigentlich Recht typisch für einen Teenager.
Aber auch da Zweifel ich im Nachhinein an mir. Einerseits fühlt es sich so an als würde sie meinen Schmerz relativieren andererseits frage ich mich ob ich vielleicht meine Verantwortung leugne.
Insgesamt hab ich manchmal Angst das ich vielleicht irgendwie zu sehr auf die Opferrolle beharre.
Und gleichzeitig bin ich gerade ziemlich enttäuscht weil wir einfach wirklich lange nicht mehr so einen Streit hatten wo sie gefühlt null Verantwortung übernimmt, relativiert und rechtfertigt :/. Ich dachte echt wir haben das hinter uns gelassen :(
Abschließend, es tut mir leid dass der Text so lang geworden ist. Ich hab mich bemüht das ganze irgendwie ausgeglichen wiederzugeben und genügend Kontext mit einfließen zu lassen :/. Ich würde mich über fremde Perspektiven dazu freuen.