Wenn ich hier durch meine eigenen Beiträge und Kommentare gehe, sehe ich vor allem eines:
Verwirrung.
Mal scheine ich geheilt, mal verletzt, dann wieder schuldig, voller Sehnsucht..
Ich habe angefangen Tagebuch zu führen, seit dem ersten Tag im Krankenhaus. Nicht alles ist lesbar, meine Handschrift ist das eine Problem, die vielen Korrekturen, das Durchstreichen, die Anmerkungen, das andere.
Ich habe deine Handschrift auf den vielen Zetteln immer sehr bewundert. Du führst Tageszettel.
Einmal hast du mir erlaubt, reinzuschauen. Egal, was ich von dir las, deine Eloquenz habe ich noch viel mehr bewundert als die Handschrift. Als Sohn eines Journalisten, eines Vaters, der einen großen Teil seiner Freizeit an der Schreibmaschine saß, als jemand, dem bereits als Kind Bücher zu Freunden wurden, habe ich diese deine Eigenschaft, neben vielen anderen, sehr geschätzt.
Mein nüchterner und eher farbloser Stil, mich schriftlich auszudrücken, wird nie auch nur in die Nähe dessen kommen, was ich von dir gelesen habe.
Zurück zum Thema:
Ich nutze nun ein digitales Tagebuch.
Da ich um deine Abneigung für Social Media weiß, bin ich bisher davon ausgegangen, dass du auf Reddit unmöglich sein kannst.
Nichts was ich schrieb, war an dich adressiert. Was es nicht weniger richtig macht. Aber einseitig definitiv, denn ich habe meinen Kummer rausgeschrien, und dort kommst du nicht gut weg. In meinem Tagebuch aber schon.
Als ich kürzlich deine Likes einiger meiner Insta-Bilder fand, hielt ich den Atem an. Warum wurde mir das nie angezeigt?
Warum habe ich das nie mitbekommen?
Du bist auf Instagram!
Du verwendest DEN Namen!
Den Namen, der uns vor neun Jahren zusammengeführt hat.
Sicher ist es Jahre her, dass du auf die Fotos reagiert hast.
Heute habe ich diesen Namen hier gesucht. Es gibt ihn mehrfach.
Vielleicht bist du es, vielleicht auch nicht. Vielleicht hast du mich längst gefunden?
Vor Schreck habe ich einige dieser Profile instinktiv blockiert. Das sind sie nun aber nicht mehr.
Ich werde einige meiner Gedanken auf Reddit stellen, auch weil es vielleicht von dir gefunden wird.
Wird es dich interessieren? Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es für dich besser, keine Informationen über mich mehr zu bekommen. Das ist nur verständlich.
Und doch werde ich dich ab und zu fiktiv ansprechen.
Im RL wird das nie mehr passieren.
Ich habe ein wenig Angst, dass all die Gedanken zu dir, zu mir, zu unserer Beziehung, zu dem, was nach der Trennung mit mir passiert ist, verblassen werden, wenn ich das alles eines Tages verarbeitet und abgeschlossen habe.
Schmerz ist der Antrieb, sich mit all dem auseinanderzusetzen.
Noch ist er da. Beinahe unverändert.
Aber das wird nicht so bleiben.
Und dann werde ich hier nachlesen können, was genau damals eigentlich passiert ist.
Mit mir. Mit uns.
Es wird vielleicht weniger wichtig sein. Aber es wird mir auch zeigen, was sich seit dem verändert hat.
Denn ich fürchte auch, dass ich mich, uns, eines Tages nicht mehr verstehen kann. Dass ich vergesse, in welcher Intensität ich all das fühlte.
Nie vorher habe ich eine solche emotionale Achterbahn erlebt.
Werde ich später froh darüber sein?
Werde ich mich für mich selbst schämen? Werde ich mir vergeben?
Dir vergeben?
Dir danken?
Welches Fazit werde ich ziehen in ein paar Jahren?