r/de_EDV • u/pepe41hd • 11h ago
Allgemein/Diskussion made my day: Kauderwelsch im Firefox
09:14 Uhr.
Wir beenden gerade ein Meeting zu einem neuen Feature eines Tools, das wir verwenden.
Einer der Kollegen bleibt beim Rausgehen bei mir stehen.
Offensichtlich hat er wieder ein IT-Problem.
Ich mag ihn. Überarbeitet, aber eigentlich immer gut drauf. Mit ihm hab ich schon gute Sachen gemacht.
„Folgendes“, sagt er.
„Bei dem Bestellportal der Firma XY, das ich für Bestellungen und Serviceanfragen verwende, da kommt in meinem Firefox nur noch Kauderwelsch raus.
Ich hab das gestern aufgemacht und versucht, damit zu arbeiten. Die Seite hat dann allerdings immer mehr Blödsinn angezeigt.“
Ich verstehe die Fehlerbeschreibung noch nicht.
„Inwiefern Kauderwelsch? Verschiebt sich die Darstellung? Oder kannst du nicht dahin klicken, wo du willst?“
„Nein. Auch das, was ich eintippe, ist nicht mehr lesbar. Da steht dann einfach Blödsinn.“
Okay.
Das muss ich mir ansehen.
„Ich hab auch schon mit der Firma XY telefoniert. Du weißt ja selbst, wie schwer es inzwischen ist, überhaupt noch eine Telefonnummer zu finden.“
„Eine halbe Stunde hab ich versucht, das zu reparieren. Die Dame am Telefon meinte dann, ich soll Rechtsklick → Inspect machen.“
„Und dann oben links das Feld mit dem Fenster-…“
Cache?, denke ich.
„Den habe ich auch schon gelöscht. Hat auch nichts gebracht.“
„Dann bin ich auf Chrome gewechselt. Und du glaubst es nicht: Da funktioniert alles. Kein Kauderwelsch.“
„Ok, dann ist es kein Netzwerk- bzw. Firewall-Thema“, sag ich ihm.
„Du, wir machen es so: Ich ruf dich gleich nochmal an, dann schalte ich mich auf deinen Rechner.“
Aus der Beschreibung werde ich immer noch nicht schlau.
Aber irgendetwas sagt mir schon jetzt, dass das interessant wird.
Von meinem Platz ruf ich ihn an.
„Hallo?“
„Hallo.“
„Ja, schalt dich drauf.“
RustDesk verbindet.
Der 21:9-Monitor erscheint.
Er positioniert schon fleißig den funktionierenden Chrome-Browser rechts und den Kauderwelsch-Browser Firefox ein wenig kleiner auf der linken Seite.
Bestellportal der Firma XY.
Schlichtes Design. Ein Header. Ein paar Auswahlfelder. Eine Liste mit offenen Serviceaufträgen.
Ich bemerke Unterschiede.
„Siehst du das?“
„Ja.“
Rechts steht "Bestellungen".
Links steht "Zucker zü".
Texte.
Wörter ohne Muster.
Zufällig ersetzt.
Manche Buttons sind plötzlich zu klein, weil die neuen Wörter länger sind als die ursprünglichen.
Ich denke mir: Das kann doch keiner so programmiert haben.
Seltsam ist, dass andere Teile völlig in Ordnung sind. 50 % des Geschriebenen sind gleich.
Ich inspiziere die Seite weiter.
Eine typische alte Seite, vermutlich mit einem Microsoft-Framework oder Ähnlichem erstellt.
Nichts Besonderes.
Vermutlich seit Jahren so im Einsatz.
Eine funktionierende Version im Chrome, eine mit einer erfundenen Sprache im Firefox.
Sprache.
Die Ratlosigkeit weicht.
Im IT-ler-Tempo schießt mein Blick auf das „Google Translate / Diese Seite übersetzen“-Icon.
Blau.
Mit einer ruckigen Mausbewegung öffne ich die Schaltfläche und drücke den Button „Original anzeigen“.
Zack.
Zwei vollkommen identische Versionen des Bestellportals präsentieren sich uns.
Auf meinem Gesicht macht sich ein Grinsen breit.
Vom anderen Ende der Leitung höre ich schon ein leicht verzweifeltes, aber sehr fröhliches Glucksen.
Wir lachen beide.
Kollege: „Nee, jetzt... Das war es nicht ernsthaft, oder?“
Ich: „Doch. Aber da wär ich ja nie drauf gekommen.“
Klar hat das jemand so programmiert.
Die Entwickler des Firefox-Übersetzers.
„Das hätte jedem passieren können.“
„Das nervige Übersetzen-Popup wird ja oft einfach mal schnell weggeklickt.“
Ich frage mich noch kurz, warum Firefox überhaupt auf die Idee gekommen ist, die Seite zu übersetzen.
Browsersprache? Falsches lang-Attribut im HTML?
„Die Dame vom Support hatte keine Ahnung, woran es liegen könnte“, sagt mein Kollege höchst amüsiert.
„Ja, passt so. Jetzt kann ich weiterarbeiten.“
9:30 Uhr.
Thema gelöst.
Genau solche Momente werde ich vermissen.